Das Turbinenhaus

Direkt nach dem Ersten Weltkrieg wurde noch im Jahre 1918 das Turbinenhaus als Laufwasserkraftwerk geplant (Architekt: Heinrich Fischer) und das „Gesuch zur deichpolizeilichen Genehmigung“ gestellt. Das Gebäude mit Wehranlage und Steg wurde 1919 an und in der Wupper realisiert; der Schlussstein über dem Hauptportal vermerkt diese Jahreszahl blumenumrankt.

Unter dem Gebäude wird das vom Wehr aufgestaute Wasser der Wupper durch drei Einläufe den Turbinen zugeführt. Direkt am Ufer dient eine vierte Rinne unter dem Gebäude als Hochwasserfluter. Den Turbinen vorgelagert ist eine dreiteilige Schutzanlage mit hölzernen Schutztafeln, die mit Handkurbeln, Zahnradübersetzungen und Zahnstangen zu bedienen sind. (Hersteller A. Wetzig, Eisengießerei 1918, Maschinen- fabrik und Mühlenbauanstalt zu Wittenberg, Prodnr. 706/11)

Die Turbinen im Sockelgeschoß werden flankiert von riesigen guss- eisernen Transmissionsrädern (in zwei Teilen gegossen), die über Achsen mit den Turbinen in Verbindung stehen und seinerzeit über Trans- missionsriemen die Generatoren im Erdgeschoß antrieben.

Das Erdgeschoß hatte ursprünglich hohe Rundbogenfenster und beherbergte dort, wo heute mein Schreibtisch steht, als Dieselmotorhaus einen beindruckenden Dieselmotor.

Das Turbinenhaus ist ein dreigeschossiger Backsteinbau mit flachge- neigtem Satteldach. Die Giebeldreiecke des 1946 nach Brand erneuerten Dachgeschosses (Architekt wiederum Heinrich Fischer) sind nach klassizistischer Art durch Gesimsbänder eingefasst. Die Rechteckfenster sind eingelassen zwischen fassadengliedernden Wandvorlagen und Geschossgesimsen auf stark vorkragenden Sohlbänken aus Naturstein und Beton.

Man mochte seinerzeit den teuren Strom bei der Stadt nicht kaufen (!) und hat ihn sich selbst erzeugt. Eine Stromerzeugungsanlage aus der Frühzeit des Stromzeitalters. Brauchte man früher zahlreiche Dampf- maschinen, konnte jetzt der Strom zentral erzeugt und durch Motore in den nahegelegenen Werkshallen umgesetzt werden.

Die Badeanstalt

Für die Belegschaft der ortsansässigen Draht- und Glühlampenfabrik als Bauherrin wurde dem Turbinenhaus praktischerweise (die Wupper musste ohnehin gestaut werden) direkt an der Wupper ein langgestreckter, eingeschossiger Baukörper mit Flachdach als Badeanstalt angegliedert. Versehen mit Wannen und Brausebädern sowie Schwimmbecken in der Wupper eine (Bau-) Massnahme von besonderer sozialer Fürsorge, weil Bäder seinerzeit zuhause nicht üblich waren.

Bilder

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  • © HGV Wipperfürth
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Dank

Ich danke Herrn Erich Kahl als Vorsitzendem des Heimat und Geschichtsvereins Wipperfürth sowie Herrn Architekt Joachim Guhra für ihre freundliche Unterstützung.

Der Text ist gekürzt und modernisiert teils entnommen einem Gutachten von Herrn Dr. Walter Buschmann.

Wipperfürth, im August 2012

Dr. Pehlke